Geschichte

1200 Jahre Möbelgeschichte

In der Gestaltung der Möbel kommt seit Alters her der Zeitgeist der jeweiligen Epoche zum Ausdruck. Nachfolgend wollen wir Ihnen, in einer kurzen Zusammenfassung, die wichtigsten Stilrichtungen der europäischen Möbelkultur näherbringen.

Kleine Kunstgeschichte Traugott Wöhrlin


Romanik 9-13 Jh.

Das Zeitalter der Romanik beginnt mit Karl dem Großen. Die Bevölkerung begann sich in Adel, Klerus, Bauern und Bürger zu gliedern. Es dominierte ein kantiger, bauklotzartiger Stil. Das für filigranere Arbeiten nötige Wissen war nicht vorhanden. 

Die Möbel dieser Zeit waren noch in einfachster Brettbauweise oder als Drechselarbeiten gefertigt. Auch die klassischen Holzverbindungen waren in der Romanik noch nicht ausgereift, zum Teil sogar noch völlig unbekannt.

Das Mobiliar bestand fast ausschließlich aus Tischen, Stühlen und Truhen. Die oft  kunstvollen Schnitzereien und Verzierungen waren noch stark durch die keltische und gemanische Elemente geprägt.Die einzigen Schränke dieser Zeit waren dem Klerus vorbehalten. Diese Sakristeischränke dienten zur Aufbewahrung der langen Messgewänder.


Gotik 12-16 Jh.

Die Gotik war eine sehr stark von der Kirche dominerte Epoche. Ausdruck dieser Gottesfürchtigkeit war die nach oben, zu Gott,  strebende Bauform. Ermöglicht wurden solche Konstruktionen nun durch das mathemetische Wissen, das von den Kreuzzügen in den zurückliegenden Jahrhunderten mitgebracht wurde. Dies war auch die Zeit, in der die ersten Handwerkszünfte und Bauhütten entstanden. Sie schufen auch das Ausbildungssystem, Lehrling, Geselle, Meister, das bis heute Gültigkeit hat.

Das Baldachinbett war das verbreiteteste Schlafmöbel. Dieses wurde immer als Doppelbett ausgeführt. Das Einzelbett war noch unbekannt. 

Truhen waren nach wie vor das wichtigste Kastenmöbel, im Unterschied zur Romanik jedoch mit einer festen Gliederung, einem vorspringenden Sockel und reichlich Schnitzereien. Weitverbreitet war auch der zweigeschossige Schrank, der sich aus zwei aufeinandergestellten Truhen entwickelte. 

Ebenfalls aus der Truhe entstanden die ersten Kastentische. Diese hatten meist ein Wangengestell als Unterbau. Aus Ihnen entwickelten sich die ersten Schreibtische, mit dafür eingerichteten Schubfächern und Einteilungen.


Renaissance 15-16 Jh.

Um 1500 begann die Blüte der Stadte. Es war sie Zeit der Aufklärung und eines neuen Selbstbewustsein´s. Die großen Handelsfamilien wie Fugger in Augsburg und Medici in Florenz kamen durch florierenden Handel zu unbeschreiblichem Reichtum. Man besann sich auf die antiken Wurzeln der europäischen Kultur. Es begann die Zeit der Renaissance(=Wiedergeburt).

Sowohl in der Architektur als auch im Möbelbau dominierten die horizontalen Linien. Als Besonderheit wurden Gestaltungselemente, von Pilastern über Sprenggiebel bis zu aufgesetzten Säulenelementen, aus der Archtektur in den Möbelbau übernommen. Bei den Sitzmöbeln wird der Brettstuhl vom Stollenstuhl abgelöst.

Der Tisch wird zum Repräsentationsmöbel der Bügerhäuser. Die Untergestelle werden zu prunkvollen kunstwerken ausgearbeitet. Oft sehen wir auch architektonische Elemente an den tischgestellen.


Barock/Rokoko 1735-1760

Im Barock steigt das Selbstbewustsein der Renaissance in ein extremes Repräsentationsbedürfnis. Es ist die Zeit der absolutistischen Könige, die Zeit des Sonnenkönigs. Die Handwerker jener Zeit perfektionieren Ihre Techniken um diesen hohen Ansprüchen genügen zu können.

Das Möbel des Barocks ist zweifellos der Repräsentationsschrank, der oft eine Höhe von bis zu 3 Metern erreicht. Später kommenauch Intarsien und exotische Hölzer wie Mahagoni, Ebenholz und Palisander hinzu.

Die Schränke entwickeln sich weiter zur Doppelkomode, mit Schubkästen im unteren Drittel und dem typischen schwungvollen Rocaillenschmuck.

Die Sitzmöbel sind mit feinster exotischer Seide oder vollem Brokat bezogen. Schnörkel, Schnitzereien und eine perfekte Furniertechnik verdecken gekonnt die Holzverbindungen.


Klassizismus 1770-1850

Ab der Mitte des 18. Jahrhunderts begann eine Gegenbewegung zu den überschwenglichen Formen des Rokoko, die um 1790 ( französische Revolution) ihren Höhepunkt fand. Betonte Konstruktionen wurden angestrebt. In den Tischen und Schränken befanden sich eine Unzahl von Geheimfächern und Mechanismen. Das Schreinerhandwerk befand sich zu dieser Zeit zweifellos auf einem Höhpunkt.

Die betonten Ecken der Sitzmöbel sind vor allem auf den englischen Möbelbauer Chippendale zurückzuführen, der durch sein Buch " The Gentleman and Cabinet-Maker´s Direktor" sehr schnell in ganz Europa Verbreitung fand.


Biedermeier 1815-1848

Die Biedermeierzeit war die Nach-Napoleonische Zeit. Es war eine Zeit, in der der Privatspähre eine hohe Bedeutung zugemessen wurde. Man versuchete Diesem durch gemütiche Möbel in behäbigen Wohnstuben Rechnung zu tragen.

Die Komode in ihrer typisch klassizistischen Form mit drei tiefen Schubkästen im Unterteil und einer flachen im leicht verspringenden Oberteil, von zwei schwarz gebeizten Säulen oder zumindest von Lisenen flankiert, wurde für das Standartmobiliar ebenso selbstverständilch wie das Vitrinenschränkchen mit Glastüren im Oberteil, das gerne auch als Eckschrank gebaut wurde.

Das Sofa wird zum Mittelpunkt der Sitzgruppe. Seine Arm- und Rücklehnen zeigen zunächst klassizistische Schmuckmotive (Säulen, Palmetten, Voluten) und werden später mitunter mit Schubkästen verbunden, in denen allerlei Nähzeug untergebracht wird.


Jugendstil 1890-1910

Gegen Ende des 19. Jahrhundert entstand vor allen in  der jüngeren Generation der Drang nach einer neuen Identitätssuche. Man war der Meinung, daß die vorherschenden, historischen Formen nicht mehr der rasenden Entwicklung von Wissenschaft und Technik gerecht wurde.

Im wesentlichen bediente man sich den Naturformen nachemfundenen Ornamenten wie Blättern, Blüten und Ranken. Dieser Stil erfasste alle Bereiche der Architektur, des Kunsthandwerks und bildenden Künste; so natürlich auch den Möbelbau und den Innenausbau. Die Gestaltung einer neuen Gesamtform war das Ziel.

Häufig wurden Möbel von Künstlern wie Malern und Goldschmieden entworfen. So kam es, daß nicht nur Möbel mit bestechender Form und faszinierender Lienenführung entstanden, sondern auch Möbelstücke mit abenteuerlichen Profilen und Schnitzereien und teilweise sehr ausgefallenen Holzverbindungen.


Bauhaus ab 19 Jh.

Nach dem ersten Weltkrieg war es das 1919 als Schule für Gestaltung gegründete Bauhaus in Weimar, welches auf die heranwachsende Handwerker und Architektengeneration einen großen Einfluß ausübte. Die Impulse, die diese Schule gab waren so nachhaltig, daß sie bis in die Gegenwart zu spüren sind.

Aus heutiger Sicht kam es zu einer Überbewertung der Funktion ( Le Corbusier:" Das Haus als Wohnmaschine". Tische und Stühle wurden gestahltet, als hätte es solche Möbel zuvor noch nicht gegeben und als hätte die Form neu gefunden werden müssen. Völlig frei wurde wurde hier auch mit neuen Fertigungstechniken wie Formverleimungen und dem Materialmix mit Blechen und Rohren experimentiert.

So merkwürdig uns heute auch manche dieser Formen erscheinen mag, so fruchbar waren sie im Hinblick auf die Entwicklung unseres gegenwärtigen Formempfindens. Einige dieser damaligen Sitzmöbelentwürfe erfreuen sich noch heute, als Klassiker,  großer Beliebtheit. Wegen der Rückführung des Gestaltungsprozessesaus die Erfüllung sachbedingter Forderungen nannte man diese Richung späterneue Sachlichkeit.